Machtspieler

In vielen diktatorisch regierten Ländern wird der Sport als Machtinstrument benutzt und als Medium, um die Überlegenheit des Landes zu demonstrieren. In Deutschland erinnern wir uns noch gut an die Zeit, als die DDR ihre Überlegenheit im Sport zum Machtspieler Teil durch Mittel wie Doping angestrebt hat. In diesem Buch schildert und bewertet der Autor die ganze Bandbreite, die noch über das staatlich geförderte Prinzip hinausreicht. Er beginnt mit den Kämpfen der Hooligans auf dem Balkan, in denen ethnische Konflikte ausgetragen werden. Breiten Raum nehmen die Vorgänge in Russland ein, wo der Sicherheitsapparat alle Erscheinungen rund um den Sport dominiert. Die Ultras in der Ukraine verbünden sich gegen das alte Regime und in Spanien ist der Fußball eine emotionale Kulisse für die Unabhängigkeitsbestrebungen z.B. in Katalonien. In der Türkei benutzt Erdogan den Fußball zur Stärkung der Allianz aus Staat, Wirtschaft und Religion. Es folgen noch weitere Länder, wie z.B. die Kriegsgebiete im Nahen Osten, der Iran, die reichen Golfstaaten, bei denen Scheichs europäische Fußballvereine aufkaufen, China, Ruanda und Argentinien. Die Ausführungen sind gut, zum Teil sogar recht spannend lesbar. Dabei werden auch geschichtliche Rückblicke, soweit sie dem Thema dienen, nicht ausgelassen. Das Buch zielt nicht nur auf sportpolitisch, sondern auch auf zeitgeschichtlich interessierte Leser und bietet viele Informationen zu einem Bereich, der sich oft dem allgemeinen Wissen entzieht. In größeren Beständen einsetzbar.

Gerd Fleder

Gerd Fleder

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Machtspieler

Machtspieler

Ronny Blaschke
Verlag Die Werkstatt (2020)

256 Seiten
kt.

MedienNr.: 952358
ISBN 978-3-7307-0495-0
9783730704950
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Sp
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