Erwin Kostedde
Eine Fußballerbiografie - die sind doch alle gleich, wird manch eine/r denken. Aber mitnichten: Erwin Kostedde (*1946) ist schon ein ganz besonderer Fall. Als einer der ersten schwarzen Fußballer in der deutschen Bundesliga ist seine Karriere gekennzeichnet
durch viele Höhen und Tiefen, die sich zum Teil mit den damaligen Gegebenheiten der Bundesliga erklären lassen, die aber auch zu einem großen Teil in der Person Erwin Kosteddes begründet sind. Als „Exot“ mit seiner Hautfarbe im tief katholisch geprägten Münster muss er sich schon früh gegen Anfeindungen und rassistische Bemerkungen behaupten. Dieses Gefühl, nicht zu genügen und ungerecht behandelt zu werden, zieht sich durch seine Karriere wie ein roter Faden und lässt ihn schon früh an sich zweifeln und wiederholt schlechte Entscheidungen treffen. Alkoholprobleme, ein Suizidversuch sowie finanzielle Fehlentscheidungen und sogar ein Gefängnisaufenthalt kennzeichnen das Leben dieses talentierten Fußballers. Alexander Heflik hat Erwin Kostedde viele Jahre begleitet und auf seine Bitte hin diese Biografie geschrieben. Keine chronologische Aufteilung, sondern wahlweise positive und negative Ereignisse, die das Auf und Ab seiner Karriere abbilden, zeichnen ein tragisches Sportlerleben für die Leser/-innen. Und immer sind rassistische Äußerungen in den vergangenen Jahrzehnten an der Tagesordnung. Der Journalist Sebastian Moll hat dem Buch ein Essay über die Probleme von Sportlern in einem Leben nach dem Sport hinzugefügt. Dies und die Tragik dieses Fußballerlebens lässt die Leser/-innen nachdenklich zurück und lassen dieses gut zu lesende Buch wohltuend aus der Masse anderer Biografien hervorstechen. Gerne breit empfohlen, für ältere Fußballfans ebenso wie für jüngere.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Erwin Kostedde
Alexander Heflik
Verlag Die Werkstatt (2021)
188, [16] Seiten : Illustrationen (teilweise farbig)
fest geb.