Apfelmädchen
In der nordschwedischen Stadt Boden wird eine Lehrerin ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Die beiden ermittelnden Kommissare Idun Lind und Calle Brandt sehen Anzeichen eines religiösen Hintergrunds der Tat. Aber auch Eifersucht des Ehemannes oder
Rachegefühle des Exmannes des Opfers scheinen plausible Motive zu sein. Kurz darauf wird ein an Diabetes erkranktes Mädchen aus einem Kindergarten entführt. Parallel zu den aktuellen Fällen wird in Rückblicken eine tragische Familiengeschichte aufgerollt. Einer Mutter und ihren beiden Kindern gelingt die Flucht vor dem gewalttätigen Familienvater. Sie bekommen eine neue Identität und werden in einer Familie auf dem Land untergebracht. Fatalerweise geraten sie dadurch in die Fänge einer freireligiösen Sekte. - Das Debüt der in Boden beheimateten Lehrerin Tina N. Martin wurde von der schwedischen Kritik gelobt. Ein Herzensanliegen der Autorin ist es, ein Licht auf schutzlose Kinder zu werfen, die zwischen Erziehungsberechtigten und Jugendamt durch das Raster gefallen sind, inmitten einer Erwachsenenwelt, die wegschaut. Wer der oder die Täter/-in ist, kann man schon früh erahnen, aber bis man Gewissheit hat, erlebt man eine Reihe überraschender Wendungen. Authentisch wirkt die Darstellung der großen psychischen Belastungen, welchen die Opfer, Hinterbliebenen und Polizisten ausgesetzt sind. Zwei für die weitere Geschichte zentrale Szenen von bestialischer Gewalt gegen Schutzbefohlenen sind schwer erträglich. Eine spannende, düstere Geschichte bevölkert von komplexen Protagonisten mit Entwicklungspotential. Im Herbst erscheint der zweite Teil der Reihe.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Apfelmädchen
Tina N. Martin ; Deutsch von Leena Flegler
blanvalet (2023)
508 Seiten
kt.