Eine Katastrophe jagt die nächste
Die erste Liebe zerbröckelt gerade, das Familienchaos ist wie immer: mit den nervenden Geschwistern, der beruflich belasteten Mutter und dem Vater mit der Professorenstelle in Cambridge. Nicht leichter wird es für Lil, als ihre beste Freundin mit
ihrem großen Bruder anbandelt. Pego alias Pegasos April will die Hilfe seiner zeichnerisch begabten Schwester bei einem Graffiti-Entwurf für den Kunstunterricht. Für den hoffnungsvollen Jungboxer soll eine Faust darauf sein; die Schwester tendiert zu einem Bild von Anne Frank, der Namenspatronin der Schule. Ein gemischtes Motiv entsteht. Doch groß ist das Erschrecken, als am nächsten Tag genau Lils Entwurf in Knallrot an der Schulhofmauer prangt. Lil verdächtigt ihren Bruder, weil er sich einem Schulwechsel nach England widersetzt. Pego räumt die Urheberschaft auch gegenüber der Direktorin ein und kassiert dafür die Androhung der Entlassung. Der Familienrat tagt. Dabei kommt zutage, dass Pego nur Lil schützen wollte. Die Frage, wer außer den beiden an den Entwurf gelangt sein kann, lösen sie mit einer Falle. - In allerlei amüsierende Nebensächlichkeiten eingepackt, handelt der Roman für ältere Kinder von typischen Problemen der Pubertät: Schulunlust und Bindung an das gewohnte Umfeld, erste Liebe und Freundschaften... Ohne jeden Kitsch gelingt es der Autorin, die Ambivalenz eines jungen Mannes herauszuarbeiten, von dem man nach dem bisher Gelesenen nicht vermutet, wie sehr er seine Schwester in Schutz nehmen will. Gerne empfohlen.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Eine Katastrophe jagt die nächste
Stephanie Gessner
Magellan (2017)
Lil April ; 2
301 S.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 11