Zeit der Geister
Fünf Personen, die unterschiedlicher kaum sein können, bilden eine Art Wahlverwandtschaft auf dem Gelände einer NGO im Sudan. Mustafa ist zwölf, Nomade und vaterlos. Sein Ersatzvater ist William, ein Nilote, der hier als Übersetzer arbeitet und
verliebt ist in die Köchin Layla, eine Nomadin. Zwei privilegierte Außenseiter komplettieren das Quintett: Der Amerikaner Alex soll für Hilfsprojekte im Distrikt das Land kartografieren. Und Dena war mit ihren Eltern aus Karthum geflohen und ist jetzt zurückgekehrt, um einen Dokumentarfilm zu drehen. Der fiktive Grenzort Saraaya und die NGO liegen zwischen den Autoritäten des Sudans und den Rebellen des Südens. Seit der Unabhängigkeit von England 1956 schwelt der Bürgerkrieg. Mit dem Fund einer verkohlten Leiche spitzt sich die Lage zu und auch die NGO wird in den Konflikt hineingezogen. – Die mit ihrer Familie aus Karthum in die USA geflohene Autorin studierte Literaturwissenschaft und veröffentlichte Essays und Reportagen in diversen Magazinen, sie lebt in Berlin. In ihrem Debüt veranschaulicht sie mit ihrem fein gezeichneten und überschaubaren Personal einen dramatischen Konflikt, der bis heute anhält. Berührend und trotz aller Tragik auch humorvoll erzählt.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Zeit der Geister
Fatin Abbas ; aus dem Englischen von Bernhard Robben
Rowohlt Berlin (2024)
365 Seiten : Illustrationen
fest geb.