Die Harzreise
Vor 200 Jahren erkundete der berühmte deutsche Dichter und Schriftsteller Heinrich Heine (1797-1856) von Göttingen aus die Bergbaustädte und Naturschönheiten des Harzes und berichtete in seinen 1826 erschienenen Reisebildern von dieser "Harzreise".
Dieses Jubiläum nahm der Autor im August 2025 zum Anlass, sich auf eine Spurensuche zu begeben und Heines Wanderung nachzuvollziehen. Als geschichtsbewusster und mit einem großen Fundus bildungsbürgerlichen Wissens ausgestatteter Beobachter liefert Kopetzky dabei einen Reisebericht durch eine widersprüchliche Landschaft. Diese hat weiterhin viel Schönes zu bieten, ist zugleich aber auch von der Ausbeutung durch den Bergbau und die enormen Zerstörungen der Fichtenwälder durch den durch den Klimawandel begünstigten Borkenkäferbefall geprägt. Während manche Kleinstädte im ehemaligen Zonenrandgebiet der Bundesrepublik einen eher tristen Eindruck der Stagnation und des Niedergangs hinterlassen, erlebt er Wernigerode als herausgeputztes touristisches Kleinod. Der Brocken erweist sich selbst im Hochsommer klimatisch als abweisender rauer Geselle. Immer wieder berichtet der kontaktfreudige Autor dabei von seinen Begegnungen und Gesprächen mit ganz unterschiedlichen Menschen. Brennglasartig verkörpert der Harz für ihn ein im Umbruch befindliches und sich veränderndes Deutschland, dem vielleicht noch harte Jahre bevorstehen, das aber auch eine gute Zukunft vor sich haben kann. – Trotz fehlenden Karten- und Bildmaterials eignet sich diese Reiseschilderung gut zur heimischen Lektüre und gibt zugleich Anregungen für eigene Erkundungen dieser deutschen Mittelgebirgslandschaft. – Breit empfohlen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Harzreise
Steffen Kopetzky
Rowohlt Berlin (2026)
237 Seiten
fest geb.