Damenopfer
Larissa Reissner (1895-1926), die Hauptperson des Romans, fasziniert die Menschen, wo immer sie hinkommt: als Mitglied in der bolschewistischen Partei, als Schiffskommandantin, Spionin, Schriftstellerin und Journalistin und schließlich als Sozialrevolutionärin,
die für Weltrevolution kämpft. Als sie mit ihrem Mann Fjodor Raskolnikow, der sowjetischer Botschafter wird und meistens betrunken ist, nach Afghanistan zieht, entdeckt sie, eingemauert in der Wand eines Büros, strategische Pläne eines Deutschen namens Niedermayer, wie das indische Volk mit Hilfe der afghanischen Bevölkerung gegen die britische Vorherrschaft gestärkt und schließlich den Sturz des Regimes herbeiführen soll. Diesen deutschen Offizier Oskar von Niedermayer möchte sie für die Weltrevolution benutzen, um die Unterdrückten zu befreien, und sie findet ihn auf einer Party in einer am Berliner Wannsee gelegenen Villa. Klug und tatkräftig, wie sie ist, verwickelt sie bedeutende Militärs und Waffenhändler in Gespräche mit dem Ziel, ein geheimes Bündnis zwischen der Sowjetunion und deutschen Militärs zu vermitteln, z.B. mit Hilfe des aus dem Schach bekannten „Damenopfers“, bei dem der Gegner zu unüberlegten Handlungen gebracht wird. Steffen Kopetzky gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern unserer Zeit und zeichnet in Larissa Reissner hier in 23 Kapiteln das Porträt einer selbstbewussten, idealistischen, fast vergessenen Figur des russischen Bürgerkriegs, die 1926 im Alter von 30 Jahren an Typhus stirbt. Gleichzeitig gibt er auf unterhaltsame Art Einblicke in die Gesellschaft des frühen 20. Jh.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Damenopfer
Steffen Kopetzky
Rowohlt Berlin (2023)
443 Seiten
fest geb.