Louder than hunger
Jake kämpft jeden Tag gegen seine innere Stimme, die ihm sagt, dass er nichts wert ist. Er nimmt immer weiter ab, bis er irgendwann vielleicht aufhört zu existieren. Nach außen versucht er, sein sinkendes Gewicht durch weite Kleidung zu vertuschen.
Die Schule meidet der Junge so gut es geht, er hat dort auch keine Freunde. Mit seinen Eltern versteht er sich nicht gut, sie erkennen seine Situation nicht und haben ihre eigenen Probleme. Seine einzige Freundin ist seine Großmutter. Mit ihr verbringt er die Wochenenden und sie haben immer eine gute Zeit zusammen. Doch irgendwann fällt auch ihr etwas auf und Jake kann seine Probleme nicht länger verstecken. Seine Eltern weisen ihn in eine geschlossene psychiatrische Klinik ein, was für Jake der Hölle gleichkommt. Mit aller Kraft wehrt er sich gegen die Maßnahmen der Ärzte, die neben Magersucht auch Depressionen und Zwangsstörungen diagnostizieren. Wird er es schaffen, seine Krankheit zu überwinden? – Man kann sich sehr gut in Jake hineinversetzen und seine Gefühle und Zerrissenheit genau nachempfinden. Der Autor lässt eigene Erfahrungen miteinfließen. Wirklich außergewöhnlich ist auch der Schreibstil, es werden Tagebuchnotizen, Listen oder Briefe eingeflochten und durch die teilweise wirre und irrationale Anordnung der Wörter auf den Seiten wird das Gefühl vermittelt, man liest die Einträge eines psychisch Kranken. Das steigert die Immersion ungemein und macht das Lesen wirklich spannend. Und immerhin endet die Story mit einem Happy End.
Julian Schirm
rezensiert für den Borromäusverein.
Louder than hunger
John Schu ; aus dem Englischen von Maren Illinger
Fischer Sauerländer (2025)
524 Seiten
fest geb.