The boy who steals houses
Nach einer schwierigen Kindheit mit ihrem gewalttätigen Vater leben der 15-jährige Sam und sein zwei Jahre älterer Bruder Avery quasi auf der Straße. Um ein Dach über dem Kopf zu haben, steigt Sam immer wieder in Häuser ein, deren Besitzer erkennbar
für längere Zeit in Urlaub sind. Sein ganzes Leben lang hat er alles getan, um seinen autistischen Bruder, der diesem unsteten Leben nicht gewachsen ist, zu beschützen. Dabei ist er mehr als einmal auch gewalttätig geworden. In einem der "gestohlenen" Häuser wird er von den unerwartet heimkommenden Bewohnern überrascht. Doch weil jeder in der so chaotischen wie herzlichen Großfamilie glaubt, er sei der Freund eines der vielen Kinder, erfährt er zum ersten Mal in seinem Leben die Geborgenheit eines Zuhauses und die Zuneigung eines so unkonventionellen wie liebenswerten Mädchens. Natürlich holen ihn seine Vergangenheit und die Sorge um den Bruder schon bald ein. Sam muss eine schwierige Entscheidung treffen. - Einfühlsam erzählt der Autor von der Sehnsucht des einsamen und überforderten Jungen nach Verständnis und Zugehörigkeit. Sam ist in die Kriminalität abgerutscht, weil er immer wieder im Stich gelassen wurde und erhält durch die Begegnung mit den vorurteilsfreien De Laineys eine unverhoffte Chance. Das facettenreiche, mal sehr ernsthafte und dann wieder sehr humorvolle Buch erzählt von Vernachlässigung, Hilflosigkeit und Wut, aber auch von Hoffnung, Liebe und dem Mut zur Veränderung. Dass der Autor manchmal ein bisschen viel will und deshalb bei einigen seiner vielen Themen eher an der Oberfläche bleibt, sollte niemanden von der lohnenden Lektüre abhalten.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
The boy who steals houses
C. G. Drews ; aus dem Englischen von Britta Keil
Sauerländer (2022)
365 Seiten
fest geb.