Bombay, Bagdad, Teheran
Vita Sackville-West (1892 - 1962), eine von der englischen Gesellschaft des frühen 20. Jh. gefeierte, reiche, unabhängige, schillernde Romanautorin, glänzt hier als kluge, spöttische und kritische Reiseschriftstellerin von großer sprachlicher
Eleganz. Vor allem werden dem Leser nicht die bereisten Länder mit Fakten wie ihrer Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Geographie, Naturschönheiten etc. in Erinnerung bleiben, sondern die erzählten Beobachtungen werden Eindrücke wie ein verklärtes Gemälde mit stimmungsvollen Farben in das Gedächtnis eingravieren. So wird Indien nur auf zwei Seiten als "abscheulich schmutziges, vulgäres" Land tituliert. Auch wenn Lady Sackville-West alle persönlichen Dinge, wie den Besuch bei ihrem Ehemann in Teheran und die Begleitung durch eine Geliebte, weitgehend ausblendet, so schafft sie es dennoch, mit leichter, poetischer Feder ein Bild Persiens entstehen zu lassen. Man sieht die unendlich weite, schroffe gebirgige Landschaft vor sich, begleitet die Autorin auf Basare, erlebt die Krönung des Schahs und taucht ein in eine versunkene Welt, als noch nicht religiöser Fanatismus den Nahen Osten zerriss. - Ein Lesegenuss für größere Bestände.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Bombay, Bagdad, Teheran
Vita Sackville-West
Erdmann (2016)
Die kühne Reisende
197 S. : Ill.
fest geb.