Doch das Messer sieht man nicht

Im Berlin des Jahres 1927 taucht ein Serienmörder auf, der Prostituierte auf ähnlich grausame Weise tötet wie der legendäre Jack the Ripper. Die junge Journalistin Anaïs Maar, die in diesem schlagzeilenträchtigen Fall zunächst gegen ihren Willen Doch das Messer sieht man nicht recherchiert, hat mit ihren investigativen Artikeln schon bald großen Erfolg und glaubt, nun endlich die ersehnte Karriere bei einer großen Zeitung starten zu können. Dass dies gerade für eine schwarze Frau in einem Ende der 20er Jahre stetig stärker vom rechten Gedankengut beeinflussten gesellschaftlichem Klima immer schwieriger wird, kann die sehr privilegiert aufgewachsene und unkonventionelle junge Frau, die in ihrer Freizeit boxt, im Verlauf ihrer Recherchen immer weniger verdrängen. Ihre Nachforschungen im Milieu und die Bekanntschaft mit der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Josefine öffnen ihr die Augen über die wahren Zustände in ihrer geliebten Stadt, die wenig mit dem Glamour und den Emanzipationsbestrebungen der "goldenen Zwanziger" zu tun haben. Währenddessen kommt der wahnsinnige Täter den beiden Frauen immer näher... - Schon der dem bekannten Song aus der Dreigroschenoper entlehnte Titel zeigt, dass es in diesem spannend und atmosphärisch dicht geschriebenen Roman um viel mehr geht als um den spektakulären Fall eines Serienmörders. Der Autorin gelingt ein mitreißendes und sehr authentisches Bild einer aufregenden Epoche, die in einer Katastrophe endete. Ihre bildhafte Sprache und die mit viel Einfühlungsvermögen gezeichneten Charaktere machen die Lektüre zu einem nachhaltig beeindruckenden Leseerlebnis.

Angelika Rockenbach

Angelika Rockenbach

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Doch das Messer sieht man nicht

Doch das Messer sieht man nicht

I.L. Callis
emons: (2024)

352 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 753100
ISBN 978-3-7408-2048-0
9783740820480
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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