Der Große Gopnik
Einer der bekanntesten russischen Gegenwartsautoren, Viktor Jerofejew, legt einen Putin-Roman vor, obwohl sein Name nie fällt. „Gopnik“ ist im Russischen ein krimineller Halbstarker und Rowdy aus der Unterschicht, der mit Gewalt bis ganz nach
oben kommt. Der Roman ist – so die Zusammenfassung des Verlags – eine „literarische Erklärung für das, was heute in Putins Russland passiert“ und eine Art reale und fiktive literarische Autobiografie des Autors selbst. Seine Eltern tauchen aus dem Jenseits auf, Schriftstellerkollegen treffen sich, der kleine nächtliche Stalin spukt durch die Geschichte und schließlich Putin, der mit Gopniks aufwächst und sich entsprechend wild und grob gibt. Wie eine Ganovengeschichte liest sich der Roman. Der Kremlherrscher ist einer der Banditen der Hinterhöfe, der gerade Krieg gegen die Ukraine führt. Der Roman trägt dazu bei, Russland etwas besser zu verstehen. Jerofejew, 1947 in Moskau geboren, litt persönlich unter dem Verbot und der Zensur seiner Texte, er wurde aus dem Schriftstellerverband der UdSSR ausgeschlossen, verließ 2022 Russland mit seiner Familie und lebt heute in Berlin.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Große Gopnik
Viktor Jerofejew ; aus dem Russischen von Beate Rausch
Matthes & Seitz (2023)
614 Seiten
fest geb.