Die Weltreise
Auf den Vater beim Kindergarten zu warten, ist langweilig, zumal das Laufrad lockt und der Weg nach Hause bekannt ist. Und was ist das für ein Weg, den das Kind allein zurücklegt! Es begegnet Krokodilen, Monstern und Tigern, es durchquert Flüsse,
Dschungel und Wüsten, bis schließlich das Ziel erreicht ist, die Königsburg. Freilich hat der Vater diesen Weg ganz anders erlebt... – Sich dem Gebot des Vaters zu widersetzen, ist angesichts des Großstadtverkehrs nicht ungefährlich. Das Kind, voller Abenteuerlust und Selbstüberschätzung, legt in vollem Tempo die Strecke zurück, die auf den großen Seiten dieses Bilderbuchs in leuchtenden Farben ausgemalt wird. Wir sehen das Kind durch diese expressive Landschaft sausen und verstehen, dass wir seine Wahrnehmung beobachten. In der Rückschau verfolgen wir die realen Szenen: den Park mit der Baustelle, die Straßenbahn, den riesigen asphaltierten Rathausplatz. Es ist kein Wunder, dass die kindliche Fantasie sich diese unfreundlichen Straßenszenen als reizvolle Orte ausmalt und die realen Gefahren als Abenteuer ummünzt. So bleibt das Urteil über dieses Buch zwiegespalten: junge Betrachtende werden sich mit dem Ausreißer identifizieren können; die älteren Vorleser:innen jedoch sollten auf der Aufsichtspflicht bestehen und dem Übermut mit dem Laufrad rigorose Grenzen setzen. Über den kindlichen Forscher- und Bewegungsdrang lässt sich bei der Lektüre gut sprechen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Weltreise
Albrecht Selge ; illustriert von Tony Khoueiry
Rotfuchs (2024)
[40] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5