Wild song
Im Jahr 1904 lebt die 16-jährige Luki mit ihrem Stamm in den philippinischen Wäldern. Sie ist eine begeisterte Jägerin und hat nicht vor, sich dem Wunsch der Ältesten zu beugen, um bald Ehefrau und Mutter zu werden. So nimmt sie gerne das Angebot
der amerikanischen Werber an, in der Weltausstellung in St. Louis bei der „Philippinischen Exposition“ mitzuwirken. Dort werden verschiedene philippinische Stämme, ihre Dörfer und ihre Lebensgewohnheiten der amerikanischen Öffentlichkeit spektakulär präsentiert. Mit dabei sind aus ihrem Dorf auch Tilin und ihre kleine Schwester Sidong und ihr Freund aus Kindertagen Samkad. Zunächst ist alles neu und bezaubernd, denn die Ausstellung bietet einige Attraktionen. Doch mit zunehmender Erkenntnis und Ernüchterung stellen sie fest, dass sie nur Ausstellungsobjekte in einem menschlichen Zoo sind und als Forschungsobjekte dienen. Vorzeitig kehren sie mit vielen neuen Eindrücken in die Heimat zurück. Und auch ihr Blick auf ihre Herkunft hat sich geweitet. – Konsequent wird die Weltausstellung aus der Sicht der Igorot (Ureinwohner) mit den jugendlichen Protagonisten dargestellt. Ihre Geschichte macht das ganze perfide Ausmaß von Unterdrückung, Umerziehung und Fremdbestimmung der philippinischen Bevölkerung während der amerikanischen Kolonialzeit (1898-1946) am Beispiel der jungen Luki und ihrer Freunde eindringlich sichtbar. Eine bewegende und politikgeschichtliche Lektüre für alle Interessierten an der Geschichte der Philippinen. Im Anhang wird die Erzählung in den geschichtlichen Kontext gestellt.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Wild song
Candy Gourlay ; aus dem Englischen von Alexandra Rak
Rotfuchs (2025)
318 Seiten : Karten
fest geb.