Die Spur der Vertrauten
Die 17-jährige Claire hat ihr Leben lang versucht, nicht aufzufallen, denn in ihrer Welt dürfte sie eigentlich nicht existieren. Sie ist ein Individuum, geboren ohne einen Instinkt, der ihren beruflichen Werdegang und ihr Leben vorherbestimmen und
sie zu einem nützlichen Mitglied der Gemeinschaft des WIR auf dem Superkontinent machen würde. Doch kurz vor ihrem Abschluss an der Schule der Vertrauten verschwinden immer mehr Schüler und sie kann nicht länger im Schatten bleiben. Auch der Beschützer-Schüler Goliath will gesehen werden und aus dem Schatten seines verstorbenen, heldenhaften Bruders treten. In Claires Nachforschungen sieht er die Chance, sein Ziel zu erreichen. Er tut sich mit ihr zusammen, ohne dass die beiden ahnen, dass Claires bloße Existenz die Grenzen der Gesellschaft sprengen wird und sie den Menschen die Chance auf eine zwangfreie Wahl zurückgeben kann. – Dieser dystopische Jugendroman überzeugt mit einem fantastischen Mix aus Retro-Elementen der 1980er Pop-Kultur, einem religiös-zentralistischen Regierungswesen und einer von zwanghaftem Verhalten geprägten Menschheit. Vielfältige Charaktere und der sich stetig steigernde Spannungsbogen der Geschichte tragen zum Lesevergnügen bei. Außerdem verknüpft die Autorin einen ganzen Strauß wichtiger Themen, ohne die Geschichte zu beschweren: Freundschaft, Mut, die Suche nach der eigenen Identität, gesellschaftlicher Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Liebe in allen Facetten. Ein toller, vielschichtiger Zukunftsroman, dessen Hintergründe sich langsam, aber mit Macht entfalten.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Spur der Vertrauten
Christelle Dabos ; aus dem Französischen von Amelie Thoma und Nadine Püschel
rotfuchs (2025)
635 Seiten
fest geb.