Was wir nicht sehen wollen
Die ehrgeizige Kommissariatsleiterin Susanne Manner ist zwischen ihren Rollen als Mutter und Polizistin hin- und hergerissen. Ihr einziger Sohn Aleksi steckt tief im Drogensumpf ihrer finnischen Küstenstadt Pori fest. Manner befürchtet, dass er etwas
mit einer Reihe tödlicher Brandanschläge an Obdachlosen zu tun haben könnte. Könnten die Jugendbanden, die hilflose Menschen auf der Straße schikanieren, hinter den Taten stecken? Auch ein kaltblütiger Drogenhändler steht unter Verdacht. Unter den Obdachlosen verbreiten sich zudem Erzählungen über eine charismatische Gestalt, die als der „Erlöser“ in Erscheinung tritt. Er soll kraft seines Geistes Menschen von ihren inneren Qualen und sogar von ihrer Sucht befreien können. Manners Team um die Kommissare Paloviita und Oksman tauchen tief in die Unterwelt Poris ein, um den Täter zu finden. Währenddessen kämpft Manner unter dem Radar der Kollegen um ihren Sohn. – Jeder der fünf Bände der River-Delta-Reihe (zul. „Was wir ihnen antun“, BP/mp 24/401) nimmt sich ein dringendes soziales Problem vor – diesmal das gefährliche Dasein von Obdachlosen. Es wird anschaulich geschildert, wie Männer mit guten Voraussetzungen ins Leben starten, aber durch eine Spirale aus Schicksalsschlägen, Geldnot und Missbrauch auf der Straße landen. Die Gesellschaft will aber dieses Problem nicht anpacken, genauso wenig wie das Abdriften Jugendlicher in Bandenkriminalität und schaut lieber weg. Eine suggestive, düstere Geschichte, die den Finger in wunde Punkte der Gesellschaft legt und eine perfekte Balance zwischen dem Privatleben der Ermittler und der Suche nach dem Täter schafft.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Was wir nicht sehen wollen
Arttu Tuominen ; Übersetzung aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen
Lübbe (2025)
381 Seiten
kt.