Peggy
Die Autorin lässt Peggy Guggenheim ihr Leben erzählen. Ihre Kindheit in den jüdischen Kreisen der New Yorker Upperclass ist überschattet vom Untergang der Titanic, den ihr Vater nicht überlebt hat. Peggy als Schülerin einer jüdischen Höheren-Töchter-Schule
rebelliert gegen ihr behütetes Dasein unter dem strengen Regiment ihrer Mutter, die den Status bewahren will, lernt Maschinenschreiben und jobbt in einer Buchhandlung. Den Ersten Weltkrieg erlebt sie in Form angehimmelter Fliegeroffiziere. Dann geht sie nach Paris und findet Anschluss an Kreise der Bohème. Ihre Partys und ihre Großzügigkeit sind legendär: daher auch der Spitzname Miss Moneybag. Sie heiratete den Maler Laurence Vail und hatte zwei Kinder mit ihm. Die Ehe war nicht glücklich, denn Vail neigte zu Gewaltexzessen nach Alkoholgenuss. Trotzdem reicht – zumindest im Roman – er die Scheidung ein. Durch eine kurze Affäre mit Samuel Beckett motiviert, beschäftigte sich Peggy 1937 mit abstrakter Kunst und kaufte in den Folgejahren Werke von verfolgten Künstlern auf. Der Grundstock ihrer Sammlung. Meist stand am Anfang ihr emotionales Interesse an der Künstlerpersönlichkeit, dann erst die Werke. Da sie selbst Jüdin war, musste sie 1941 Frankreich verlassen. 1947 kehrte sie nach Venedig zurück und kaufte den Palazzo Venier dei Leoni, der heute ihr Museum beherbergt. – Godfrey konnte den Roman nicht selbst vollenden, obwohl sie zehn Jahre recherchiert hatte. Leslie Jamison führte die Aufgabe zu Ende. Gut herausgearbeitet ist Guggenheims Suche nach der eigenen Identität und ihr offenbar schon in der Kindheit auffallendes Verständnis, weshalb Künstler bestimmte Farben oder Formen verwendeten, um ihre Bilder einmalig und herausragend zu machen. Irritierend ist im Vorspann der Hinweis, die Figuren des Romans seien frei erfunden. Die meisten tragen bekannte Namen, also kann es sich wohl nur um die mehr oder weniger freie Darstellung dieser Persönlichkeiten handeln.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Peggy
Rebecca Godfrey ; Leslie Jamison ; aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung
FISCHER (2025)
397 Seiten
fest geb.