Vom Jakobsweg zum Tierfriedhof

Die Bindungskraft der Kirchen nimmt ab, die Kirchen werden weniger als Ziel einer religiösen Suchbewegung wahrgenommen, aber die Religiosität verschwindet nicht einfach aus dem Leben der Menschen von heute. Sie sucht sich nur andere Kanäle, andere Vom Jakobsweg zum Tierfriedhof Bezugspunkte, andere Ausdrucksweisen. Hubertus Lutterbach geht diesem Phänomen nach und betreibt Christentumsgeschichte einmal anders herum: Anstatt religiöse Phänomene früherer Zeiten zu untersuchen und dann mit dem Heute abzugleichen, betrachtet er religiöse Ausdrucksformen der Gegenwart und bringt sie in Kontakt mit ihren christentumsgeschichtlichen Wurzeln. Dabei ist eine Sammlung sehr unterschiedlicher Fundorte von Religiosität entstanden, von der Erfahrung des Pilgerns über den Umgang mit Bischofsrücktritten bis zur Hospizbewegung, von Liebesschlössern über die Trauer nach dem Loveparade-Unglück bis zum Tierfriedhof. Gemeinsam ist diesen Fundorten der Religiosität, dass die beteiligten Menschen sowohl Individualisierung als auch Ganzheitlichkeit suchen und dabei deutliche Institutionenskepsis mitbringen. Lutterbach geht diesen Formen der Religiosität, die weitgehend ohne Bezug auf eine göttliche Macht auskommt, nach - vorbehaltlos, mit einem genauen Blick für größere Zusammenhänge und bereit, auch abseits bekannter Wege nach heutigen Ausdrucksformen von Religiosität zu suchen. Herausgekommen ist ein lesenswerter Band, der die Gegenwart nicht beklagt, sondern erst einmal beschreibt. Empfehlenswert.

Annette Jantzen

Annette Jantzen

rezensiert für den Borromäusverein.

Vom Jakobsweg zum Tierfriedhof

Vom Jakobsweg zum Tierfriedhof

Hubertus Lutterbach
Butzon & Bercker (2014)

354 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 579336
ISBN 978-3-7666-1862-7
9783766618627
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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