Fast alle Männer in Lagos sind verrückt
Da ist die junge Frau, die auf einer Junggesellenparty nicht mehr hören kann, welch tolle Mädchenaufreißer die anwesenden Männer sind. Da ist eine andere, die sich gegen das Spießrutenlaufen wehren muss, das sie erlebt, als ruchbar wird, dass
sie eine sexuelle Beziehung zu einem Priester hat. Da ist die frustrierte Ehefrau, die ihren Gatten wegen dessen Verhalten vor lauter Zorn am liebsten entmannen möchte. Oder das Mädchen, dass sich dagegen wehrt, mit einem reichen Muttersöhnchen verehelicht zu werden ... – In insgesamt 12 Geschichten beschreibt Damilare Kuku, wie die Männer in ihrer Heimatstadt Lagos ticken. Es sind absolute Machos, die Frauen als Sexobjekte sehen. Doch in ihrem Männlichkeitswahn enthüllt sich – das schildert die Autorin in ihren Erzählungen mit ebenso viel subtiler Ironie wie schonungsloser Treffsicherheit –, wie albern und im Grunde schwächlich diese Spezies Mann eigentlich ist. Und dass in den nigerianischen Frauen genug Power wohnt, um ein selbstbestimmtes Leben anzugehen. Mit Witz und viel sprachlichem Geschick versteht es Kuku, den Finger in einige der größten Wunden der modernen nigerianischen städtischen Gesellschaft zu legen und damit die ganze Fragwürdigkeit des sozialen Systems freizulegen. Ihr Buch ist soziale Analyse und feministischer (im besten Sinne) Appell gleichzeitig. Sehr lesenswert!
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Fast alle Männer in Lagos sind verrückt
Damilare Kuku ; aus dem nigerianischen Englisch von Henriette Zeltner-Shane
Peter Hammer Verlag (2025)
239 Seiten
fest geb.