Gabriele Wohmann
Gabriele Wohmann gehört zu den beständigsten Autoren des deutschen Literaturbetriebs, und das schon seit mehr als 50 Jahren. Ihre Produktivität ist ungebrochen, jährlich erscheinen neue Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, Hörspiele, Gedichte,
dazu Drehbücher und Kritiken. Höchste Zeit also für eine populäre Biografie, welche die 1932 geborene Autorin in ihrer Entwicklung darstellt. Die Biografin Ilka Scheidgen hat sich dieser Aufgabe mit Detailkenntnis und aus persönlicher Vertrautheit mit Gabriele Wohmann angenommen, sie hat viele Gespräche mit ihr geführt und Wohmanns Bücher achtsam gelesen. Der Leser bekommt so einen guten Überblick über die Herkunft Wohmanns aus dem protestantischen Pfarrhaus (einer traditionellen Literaturschmiede), ihren zähen Weg zum Erfolg, die Rolle im Literaturbetrieb (wo sie viel geehrt ist), die Jahre des Experimentierens (mit dem Roman "Ernste Absicht" von 1970), das erzählerische Bekenntnis zum Glück (im Roman "Schönes Gehege", 1975) bis zum Generationengespräch (im Roman "Bitte nicht sterben", 1993). Ilka Scheidgen versteht es, Grundintentionen von Wohmanns Schreiben ins rechte Licht zu rücken und etwa den der Autorin vielfach bescheinigten "bösen Blick" als "Rebellion gegen die Behaglichkeit" (Walter Hinck) und kritisches psychologisches Porträt des Bildungsbürgertums auszudeuten. Freilich bewegt sich die Biografin öfter zu nah an ,ihrer' Autorin (die sie mit Vornamen nennt), die Zitate nehmen manchmal überhand, der Untertitel "Die Biographie" klingt allzu exklusiv (es gibt ja auch andere und bessere Biografien!). Dennoch: eine freundliche Vorstellung, die neugierig auf Wohmann-Bücher macht. Größeren Beständen empfohlen.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Gabriele Wohmann
Ilka Scheidgen
Kaufmann (2012)
240 S. : Ill.
fest geb.