Klagen, Bitten, Loben

Zu den ursprünglichen Zwecken der Literatur gehört die Zwiesprache mit dem ganz Anderen. Und auch wenn dieser Zweck in der modernen Literatur kaum eine Rolle mehr spielt, so heißt das nicht, das die Mittel verschwunden sind, mit denen dieser Gottesdialog Klagen, Bitten, Loben hergestellt werden soll, etwa das Klagen, Bitten und Loben. Der Sammelband sichert diese Restspuren des Gebets in der Gegenwartsliteratur, bei Hanns-Josef Ortheil und Arnold Stadler, bei Anna Mitgutsch, in SAIDs Psalmen und in Kriminalromanen. Das geschieht auf nachvollziehbare, anregende Weise. An Paul Celans Gedicht "Psalm" (1963) wird indes auch augenfällig, wie vieldeutig die poetische Gebetshaltung sein kann, zwischen frommem Gesang und Absage an Gott. Thematisch ist es interessant zu sehen, wie alte Traditionen von Weltklage und Gotteslob (etwa die Barockliteratur) in einen neuen zeitgenössischen Horizont gerückt werden, ohne ihre Bannkraft zu verlieren. Eine kleine Fundgrube, allen Beständen empfohlen.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Klagen, Bitten, Loben

Klagen, Bitten, Loben

Alfred Bodenheimer ... (Hg.)
Matthias-Grünewald-Verl. (2014)

228 S.
kt.

MedienNr.: 402525
ISBN 978-3-7867-3000-2
9783786730002
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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