Forbidden
Lochan, 17, und Maya, 16, müssen ihren drei jüngeren Geschwistern Vater und Mutter ersetzen. Der Vater hat am anderen Ende der Welt schon längst eine neue Familie und die Mutter versinkt im Alkohol und will mit dem neuen Freund noch einmal jung
sein. Lochan ist in seinem Sozialverhalten schwer gestört, dabei hochbegabt und könnte an Londons bestem College anfangen. Von allen Seiten unter Druck ist die Beziehung zu Maya die einzige, in der er aufatmen kann. Doch irgendwann verändern sich die Gefühle der beiden, sie fühlen sich zueinander hingezogen, aber nicht als Bruder und Schwester. Zur Katastrophe kommt es, als sich die Mutter ausnahmsweise einmal um die Familie kümmert. - Geschwister-Inzest ist eines der letzten großen Tabus. Langsam lässt die Autorin den Wandel der Gefühle wachsen, lässt die beiden Hauptfiguren abwechselnd aus ihrer jeweiligen Sichtweise erzählen, lässt das Gefühlschaos, die inneren Kontrollmechanismen wie auch die Ausflüchte und psychosomatischen Symptome des Tabubruches überhand gewinnen. Diese Handlungslinie endet tragisch, Lochan opfert sich. Der andere Handlungsstrang ist nicht weniger dramatisch: die Unfähigkeit, die Kälte und Gleichgültigkeit der Mutter sind ebenso himmelschreiend, wie das zähe Festhalten der beiden älteren Geschwister am Modell Familie bewundernswert und hoffnungsvoll ist. Durchgehend gestaltet die Autorin die Gefühle der Protagonisten hochdramatisch und düster, in einer Endlosschleife werden sie immer aufs Neue geschildert und weiter dramatisiert. So hinterlässt der Roman einen zwiespältigen Eindruck: mutig das Aufgreifen des Tabus und die düstere Grundausrichtung, zu heftig die Ausgestaltung und der emotionale Druck auf die Leser/-innen.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Forbidden
Tabitha Suzuma
Oetinger (2011)
445 S.
fest geb.