Ich habe einen schönen Specht gesehen
Der Grundschüler Michal hatte die Aufgabe, jeden Ferientag einen Satz in sein Tagebuch zu schreiben. Er erzählt so, was er auf dem Land und in der Stadt Warschau im August/September 1939 erlebte. Kleine Naturbeobachtungen und Begegnungen in der Familie.
Ein schöner Sommer, wäre da nicht statt des ersten Schultags der Beginn des Zweiten Weltkriegs gewesen. - Sein Heft hat sich erhalten. Die Illustratorin Ala Bankroft hat jeden Tagebucheintrag in ein die Stimmung widerspiegelndes Bild in leicht expressionistischem Stil verwandelt. Dominieren die ersten Wochen Objekte wie Bäume und Wiesen, die Farben Grün, Blau und Gelb, tauchen mit dem ersten September immer dunklere, bedrohliche Töne auf, wenn der Junge seine ersten Erfahrungen mit Bomben und Soldaten benennt. Die Lakonie der Texte, die umso abrupter den Einschnitt ins Leben wiedergeben, beeindruckt vermutlich den erwachsenen Leser; der markante Wechsel der Farben dürfte auch einem mit Michal altersgleichen Schüler verständlich machen, wie in den paar Wochen dessen ganzes Lebensumfeld zusammenbrach.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ich habe einen schönen Specht gesehen
Michal Skibinski ; aus dem Polnischen von Thomas Weiler ; illustriert von Ala Bankroft
Prestel Verlag (2021)
128 Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 8