Die Glückssucher
Als der fünfzehnjährige Lukas zum ersten Mal in Gülbahars bernsteinfarbene Augen blickt, verliebt er sich sofort heftig in die junge Kurdin, die aus dem Irak zu Verwandten ins kriegsfreie Deutschland geschickt wurde. Um sie wiederzusehen, begleitet
Lukas jeden Tag seinen besten Freund, der Gülbahar und ihre Schwester Dilsa illegal als Pilzsammlerinnen auf einem alten Militärgelände beschäftigt. Obwohl das Mädchen seine Zuneigung erwidert, können die beiden Jugendlichen nur heimlich Zeit miteinander verbringen, da Gülbahars Familie romantische Freundschaften mit Jungen nicht gutheißt. Während die Gefahr, entdeckt zu werden, wächst, ereignet sich ein Unglück, das die junge Beziehung der beiden überschattet: Dilsa kommt beim Pilzesammeln auf tragische Weise ums Leben, ihre Leiche wird von Lukas' Freund im Wald versteckt zurückgelassen. Lukas steht vor der schwierigen Aufgabe, nun das Richtige zu tun... Nach ihrem ersten Jugendroman um Lukas ("Was die Welle nahm" - BP/mp 15/205), in dem er den Tod seines Vaters durch den Tsunami an Weihnachten 2004 verarbeiten muss, schafft die Autorin mit "Die Glückssucher" eine Fortsetzung, die das Thema erste Liebe mitsamt allen intensiven Gefühlen, Unsicherheit und kulturellen Hindernissen in den Mittelpunkt stellt. Erzählt wird aus Lukas' Perspektive, die der Autorin sehr überzeugend gelingt. Lediglich der Buchumschlag täuscht ein wenig, spricht er doch auf den ersten Blick eher eine weibliche Zielgruppe an. Empfehlenswert, auch unabhängig vom ersten Band.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Glückssucher
Vera Kissel
Dressler (2015)
249 S.
fest geb.