Der Weg
Nach dem Bestseller "Die Hütte" (2009) legt Young mit "Der Weg" wieder ein Szenario vor, in dem Gott sich einem Menschen in unerwarteter Weise offenbart. Hier ist es der skrupel- und beziehungslos lebende Anthony, der ins Koma gefallen ist und in
einer Welt zwischen Leben und Tod von Jesus und einer Indianerin, die den Heiligen Geist symbolisiert, mit der Wüste seines Lebens konfrontiert wird. Er kehrt dann als reines Bewusstsein seiner selbst in die Welt der Lebenden zurück, wo er jeweils über einen Kuss in den Kopf anderer Personen wechselt, die ihn als Stimme im Kopf hören können. Das sorgt bei den Betroffenen für einige Verwirrung und für komische Szenen. Anthonys Auftrag besteht darin, mit Jesu' Hilfe einen Menschen zu heilen, um ins Leben zurückkehren oder sterben zu können. - Das Buch ist spannend geschrieben, wenn sich das Ende auch länger abzeichnet. Obwohl der Kontext US-amerikanischer Freikirchen hier eher unvertraut ist, bietet das vorgestellte Gottesbild ohne Anspruch auf dogmatische Korrektheit doch Anregungen für die persönliche Auseinandersetzung. In literarischer Hinsicht ist der Titel kein Meisterwerk, aber er liest sich auch dank der suggestiven, an warmen Bildern reichen Sprache gut und flüssig. Empfehlenswert für Leser, die sich gern auf unterhaltsame Art mit theologischen Grenzfragen befassen und dabei von ungewohnten Szenarien und lockerem Umgang mit Logik und Theologie nicht abschrecken lassen. (Übers.: Thomas Görden)
Annette Jantzen
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Weg
William Paul Young
Allegria (2012)
295 S.
fest geb.