Arm sind die anderen

"Ein spleeniger Greis, eine feuerspuckende Zicke, ein Existentialist mit Pausbäckchen und ein grimassierender Zwerg...": der 15-jährige Sly ist mit Opa und drei jüngeren Geschwistern unterwegs, um die Mutter zu suchen, die sich am 23. Dezember aus Arm sind die anderen dem Staub gemacht hat. Diesmal sind ihre dunklen Tage wohl zu mächtig gewesen. Eigentlich ist Sylvester überfordert, alle über die Feiertage satt zu bekommen, unauffällig nach der Mutter zu suchen (da sonst das Heim droht) und dann noch seine überschäumenden Hormone in den Griff zu bekommen. In der Uni-Klinik verliert er Opa und seine Unschuld. - Die Geschichte zerreißt einem schier das Herz, lässt an Dramatik nichts aus und zeigt eine dunkle Seite der Gesellschaft: vier Kinder von vier Vätern, die reiche Schwester hat keine Zeit für den pflegebedürftigen Vater, das Geld ist nach dem 20. immer zu knapp und immer wieder versinkt die Mutter in Depressionen. Doch ein Grundsatz hält sie aufrecht: Arm sind die anderen. Die, die lamentieren, den Kopf hängen lassen, auf bessere Zeiten warten. Slys Mutter hat ihren Kindern nicht nur diese Würde mitgegeben, sondern auch eine zähe, nicht besiegbare Liebe zueinander (auch wenn der Ton rau ist) und eine beharrliche Zuversicht auf ein gutes Ende. Dass das Verschwinden Opas, welches einen actionreichen Showdown auslöst, ausgerechnet mit der Verführung Slys durch eine Lernschwester erklärt wird, ist zwar gelinde gesagt ein reichlich durchsichtiges Manöver - aber auch der einzige Kritikpunkt dieser außergewöhnlichen Story. Bei den vielen schrägen Ideen bleibt oft das Lachen im Hals stecken, die temporeiche Handlung reißt jeden mit - doch das Ende ist leise und offen. - Ein Buch, dem viele jugendliche und ebenso erwachsene Leser und Leserinnen zu wünschen sind!

Astrid Frey

Astrid Frey

rezensiert für den Borromäusverein.

Arm sind die anderen

Arm sind die anderen

Pete Smith
Ueberreuter (2011)

159 S.
fest geb.

MedienNr.: 351491
ISBN 978-3-8000-5635-4
9783800056354
ca. 12,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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