Du zahlst den Preis für mein Leben
Nica war sechs, als sie mit den Eltern an Weihnachten 2004 in Sumatra Urlaub machen. Der Vater kommt bei dem Tsunami ums Leben. Seither besteht die Beziehung zu einer Familie, die Nica wie eine Tochter bei sich aufgenommen hatte, bis die Mutter aus
dem Krankenhaus entlassen wurde. Eines Tages stehen sie vor der Tür, nur Riani, die gleichaltrige "Schwester" fehlt. Sie kommt angeblich nach. Zunächst flüchtet Nica in die scheinbare Geborgenheit der Familie, denn die Mutter hat einen neuen Mann gefunden, was Nica als Verrat empfindet. Hartnäckig forscht sie nach der verschwundenen Freundin, bis sie herausfindet, dass diese als Elfjährige mit einem alten Mann verheiratet wurde, um dem Rest der Familie die Auswanderung zu ermöglichen. - Kunstvoll verwebt die Autorin mehrere Zeitebenen und Perspektiven. Der Einblick in die asiatisch-muslimisch geprägte Kultur ist authentisch und hinterlässt zwiespältige Gefühle. So umfassend einerseits das Geborgenheitsgefühl ist, so abstoßend sind die mangelnde Ehrlichkeit, das unverständliche Bestehen auf der fragwürdigen "Ehre" und die unterdrückte Freiheit der jungen Menschen. - Eine beeindruckende Schilderung vom Zusammenprall zweier Kulturen. Für interessierte und belastbare Leserinnen sehr gut geeignet.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Du zahlst den Preis für mein Leben
Carolin Philipps
Ueberreuter (2013)
111 S.
kt.