Des Nachts gehn wir im Kreis

Der eigentliche Held dieses Romans des peruanischen Autors Daniel Alarcón ist ein Theaterstück. Es trägt den provozierenden Titel "Der dumme Präsident". Der Bühnenautor Henry Núnez wird nach zwei Aufführungen des Stücks verhaftet. Im Gefängnis Des Nachts gehn wir im Kreis kommt es zu einer Reinszenierung, die Schauspieler kommen allerdings nicht glücklich davon. Dann, Jahre später, bringt Núnez das Stück in Peru wieder auf die Bühne, der Hauptdarsteller ist ein begabter junger Mann namens Nelson. Auch er kommt ins Gefängnis, der Vorwurf lautet auf Terrorismus. - Der Roman spielt auf mehreren Ebenen, das Theaterstück führt eine eigene Regie ebenso wie Nelsons Spiel mit seiner Identität als Schauspieler und Regimekritiker. Alarcon hat aufwändige Recherchen angestellt, um den Hintergrund, den jüngsten peruanischen Bürgerkrieg zu beleuchten. Der Erzählung bekommt das nicht immer gut, ein Übermaß an Historie, wusste schon Nietzsche, schadet dem Leben. So bleibt ein gespaltener Eindruck: eine komplizierte Geschichte, die langsames, geduldiges Lesen erfordert, streckenweise spannend erzählt. (Übers.: Friederike Meltendorf)

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Des Nachts gehn wir im Kreis

Des Nachts gehn wir im Kreis

Daniel Alarcón
Wagenbach (2014)

346 S.
fest geb.

MedienNr.: 408219
ISBN 978-3-8031-3263-5
9783803132635
ca. 22,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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