Die man nicht sieht

Im argentinischen Once, nicht sehr weit von Buenos Aires, sind Ismael, Enana und deren kleiner Bruder Ajo auf Einbrüche in Herrschaftshäusern spezialisiert. Der sechsjährige Ajo, ob seiner Kletterkünste auch das Äffchen genannt, klettert an Fassaden Die man nicht sieht zu gekippten oder offenen Fenstern oder auch Dachluken, steigt ein und öffnet seinen fünfzehnjährigen Gefährten einen Eingang. Sie werden geführt von dem älteren Guida, der auch die Objekte und Gelegenheiten auskundschaftet. Die Kinder werden von dem Älteren bei jeder Gelegenheit übervorteilt. Das wissen sie, aber sie sehen keine Möglichkeit, aus dessen Abhängigkeit zu entkommen. Und dann werden sie für einen großen Auftrag im Nachbarland Uruguay herangezogen. Schon die heimliche Bootsfahrt dahin ist abenteuerlich und an der abgelegenen Küste des Landes wird ihnen erst klar, wie gefährlich diese neue Aufgabe ist. - Die argentinische Autorin, auch als Regisseurin bekannt, präsentiert hier eine ganz ungewöhnliche Geschichte. Das Schicksal dieser jungen Hauptfiguren in ihrem Überlebenskampf, die Zuneigung zwischen Schwester und Bruder, nimmt einen trotz ihrer kriminellen Aktivitäten ein. Wie auch schon in ihrem Buch "Das Fischkind" (BP/mp 09/628) ist die Sprache hart, direkt, manchmal regelrecht surreal. Die Figuren neben den Hauptprotagonisten bleiben allerdings recht unscharf. Auch das Motiv der Drahtzieher hinter dem Ganzen überzeugt nicht so recht. Aber es ist eine gute, interessante und auch spannende Geschichte. (Übers.: Anja Lutter)

Erwin Wieser

Erwin Wieser

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die man nicht sieht

Die man nicht sieht

Lucía Puenzo
Wagenbach (2018)

Quartbuch
203 S.
kt.

MedienNr.: 896259
ISBN 978-3-8031-3297-0
9783803132970
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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