Witch hunt
In ihrem zweiten Fall wird LKA-Ermittlerin Obalski als Social-Media-Beraterin in das Team der Grünen-Landtagsabgeordneten Deniz Yanar eingeschleust. Yanar ist wegen provokant vertretener Meinungen Cybermobbing bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt.
Daher bekommt sie von Obalskis Kollegen Karajan und Lemke Personenschutz. Obalski soll herausfinden, wer hinter der Bedrohung der Landtagsabgeordneten steckt. Doch Yanar ist nicht bereit, mit Obalski zu kooperieren, da sie ihr von der Fraktion aufgedrückt wurde. Sie will sich weder von der Fraktion noch von Internettrollen einschüchtern und in ihren politischen Aktivitäten einschränken lassen. Als sie an der Eröffnung eines Radwegs in ihrem Wahlkreis teilnimmt, wird auf sie geschossen. Niemand wird verletzt, doch die Lage wird immer bedrohlicher. Yanar und weitere erfolgreiche Frauen werden mit ihren persönlichen Kontaktdaten an einem digitalen Pranger genannt. Sie werden als Hexen bezeichnet, die gejagt und zur Strecke gebracht werden müssten. Auch Obalskis Foto taucht dort auf. – Susanne Kaiser hat als Sachbuchautorin zum Thema Cybermobbing gearbeitet ("Backlash", Besprechung online) und beleuchtet mit ihrem zweiten Krimi (zul. "Riot Girl", BP/mp 25/705) die hässlichen und gefährlichen Gefilde des Internets. Ihre Figur Obalski gewinnt durch den überraschenden Besuch ihrer Mutter und den damit verbundenen Blick auf deren Kindheit und Jugend an Tiefe. Ein sehr empfehlenswerter Krimi um Gewalt gegen Frauen mit einer ungewöhnlichen Ermittlerin.
Helmut Lenz
rezensiert für den Borromäusverein.
Witch hunt
Susanne Kaiser
Rowohlt Wunderlich (2026)
397 Seiten
fest geb.