Tod im Neandertal. Akte Ötzi. Tatort Troja
D. Husemann, Archäologe und Wissenschaftsjournalist, zeigt in dieser leicht lesbaren, unterhaltsam gestalteten Zusammenstellung, wie oft im Zuge der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Möglichkeiten archäologisch scheinbar bewiesene historische
Fakten angezweifelt, kritisch überdacht, neu bewertet und sogar verworfen werden müssen. Unter den Gesichtspunkten - Menschen und Kulturen, Städte und Paläste, Krieg, Kultstätten, Mythen der Bibel und des Christentums, Legendäre Leichname - und in einem zeitlichen Rahmen von ca. 150.000 Jahren stellt der Autor anhand neuer Forschungen (Zusammenarbeit von Biologen, Geologen, Anthropologen, Archäologen, Historikern) gängige Vorstellungen infrage. Dass auch modernste Methoden nicht alle Rätsel der Archäologie lösen können, beschreibt Husemann z.B. an der Gletscherleiche Ötzi, an Jericho und Troja, an Noah und der Sintflut. Bei in christlicher Überlieferungstradition stehenden Beispielen (Turiner Grabtuch, Petersgrab unter dem Petersdom) greift die Argumentation des offenbar voreingenommenen Verfassers zu kurz und tendiert zu einseitiger Kritik ("St. Peter auf einem Mythos errichtet - ein Luftschloss des Christentums"). - Insgesamt aber interessant und spannend zu lesen.
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Tod im Neandertal. Akte Ötzi. Tatort Troja
Dirk Husemann
Theiss (2012)
228 S. : Ill. (überw. farb.), Kt.
kt.