Was uns bleibt, ist jetzt

Die Ich-Erzählerin erschrickt in ihrem Elternhaus wegen Brandgeruchs. Sie ist wie ihre drei Geschwister Ate, Severin und Vinzenz vor einigen Tagen dorthin gekommen, weil ihr Vater ins Krankenhaus musste und die demente Mutter nicht allein bleiben Was uns bleibt, ist jetzt kann. Nun aber ist die Mutter verschwunden; einen Tag lang suchen die Kinder nach ihr. In diese Zeitspanne packt die Autorin einen Rückblick vor allem auf die Kindheit und Jugend, aber auch die heutige Lebenssituationen der vier ungleichen Geschwister, meist aus den Erinnerungen der Ich-Erzählerin gespeist. Sie finden die Mutter wieder, als sie tief in deren Kindheit kramen, und verstehen dann ihren Lieblingssatz: "Man muss vergessen können." Jahrzehnte haben sie nicht erkannt, dass ihre Mutter eine schwer traumatisierte Frau war, die bis in die Demenz hinein von einer schrecklichen Kindheitserinnerung geplagt wurde. - Man kann den Roman auf zwei Ebenen durchleuchten: einmal wie sehr eine Demenz einen Menschen auf seine Vergangenheit richtet, zum anderen, wie sich vier Geschwister eines bildungsbürgerlichen Elternhauses ganz unterschiedlich entwickeln und fast diametrale Lebenswege einschlagen, wie sie sich im Laufe der Jahre aus den Familienbanden lösen und doch in dieser Situation der Not zusammenstehen. Die Präzision der Beschreibungen, auch wie unterschiedlich Erinnerungen bewertet werden und wie wenig man eigentlich voneinander wusste, macht den Roman glaubhaft und lesenswert.

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Was uns bleibt, ist jetzt

Was uns bleibt, ist jetzt

Ella Cornelsen
Limes Verlag (2022)

429 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 750327
ISBN 978-3-8090-2746-1
9783809027461
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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