Die Kintsugi-Frauen
Der Roman ist abwechselnd aus der Sicht von drei Frauen erzählt: der Enkelin Mao, ihrer Mutter Yuko und ihrer Großmutter Chie. Die drei Frauen leben zusammen in Omori, einem Stadtteil von Tokyo. Chie erlernte als Kind die aufwändige Reparatur von
zerbrochenen Gegenständen mit Lack und Goldstaub, Kintsugi genannt. Da diese Arbeit allerdings offiziell den Männern vorbehalten war, übte sie die Handwerkskunst ihr Leben lang nur im Privaten aus. Mao, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht und noch nicht weiß, welchen beruflichen Weg sie einschlagen will, beginnt sich für das Hobby ihrer Oma zu interessieren. Die junge Frau motiviert ihre Großmutter schließlich, sich auf eine Reise in ihren Heimatort und damit in die Vergangenheit zu begeben. – Die Geschichte ist mit der für japanische Literatur üblichen Feinfühligkeit und Zurückhaltung erzählt. Die verschiedenen Arbeitsschritte des Kintsugi-Handwerks und die aussterbende Kunst der natürlichen Lackgewinnung werden sehr ausführlich dargestellt, so dass der Roman teilweise wie ein Sachbuch wirkt. Wer sich für japanische Kultur interessiert und sich gemeinsam mit den drei Frauen auf eine reflektierende Selbstfindungsreise begeben möchte, wird dieses Buch sehr ins Herz schließen.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Kintsugi-Frauen
Sanae Hoshio ; Deutsch von Anemone Bauer
L!MES (2026)
349 Seiten
fest geb.