Der Helle Wahnsinn
Helle ist arbeitslos, nachdem ihr der Metzgerbetrieb wegen eines misslungenen Schweinegeschäfts gekündigt hat. Sie wird vom Arbeitsamt zu verschiedenen Probearbeitsstellen geschickt. Auch zum Reinigungsdienst eines Krankenhauses. Durch eine Panne
schlüpft sie in einen Kittel mit dem Namenschild "Assistenzärztin Natalia Nowak". Da die Klinik wegen eines schweren Unfalls völlig überlastet ist, wird auch die vermeintliche Ärztin eingesetzt. Durch ein abgebrochenes Tiermedizinstudium und den Beruf hat Helle passende Vorkenntnisse. Und sie fühlt sich in dieser Aufgabe wohl. So beschließt sie, weiterhin die Rolle der Assistenzärztin zu übernehmen, was ihr mit viel Geschick und Hilfe des Mannes einer Freundin auch gelingt. Größte Herausforderung für sie ist das Einrichten eines Bankkontos in Polen. Es geht ziemlich lange gut, bis die falsche Identität auffliegt und Helle der Prozess gemacht wird. Ihre früheren Helfer organisieren ihre Flucht... - Der Roman lässt sich auf seine Art in die Kategorie Schelmenromane einordnen, erschleicht sich doch die Protagonistin den sozialen Aufstieg mit unlauteren Mitteln. Der Reiz der Lektüre liegt an den Wendungen und Ausreden, die Helle immer wieder finden muss, wenn es für sie brenzlig zu werden droht, und wie leicht andere solche Fantasiegebilde glauben. War es beim Hauptmann von Köpenick eine Uniform, genügt im 21. Jh. ein Computerpasswort, und die Rolle wird glaubhaft.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Helle Wahnsinn
Anders Morgenthaler, Marie Louise Tüxen ; aus dem Dänischen von Franziska Hüther
Krüger (2022)
349 Seiten
kt.