Gott indirekt erkennen
Es ist ein Wagnis, ein doch recht umfangreiches Buch zu schreiben, das trotz aller Kirchenaustritte und wachsender Distanz zur Kirche für den christlichen Glauben werben möchte. Dem Autor, einem früheren Religionslehrer, gelingt dies durch einen
gut strukturierten Aufbau seines Sachbuches. Nach der allgemeinen Fragestellung, wie Gott wahrnehmbar ist – durch alltägliche Erfahrungen, philosophische Reflexionen und die Lektüre biblischer Erzählungen – konzentriert er sich auf die Person Jesu. Ihm ist das ausführlichste Kapitel gewidmet, bevor es um die Kirche und ihren Aufbau, aber auch um die umstrittenen Fragen wie Zölibat oder Sexualmoral geht. Auch hier bleibt der Autor sachlich und erklärt in seiner unaufgeregten und nachvollziehbaren Sprache die historisch gewachsene Position der Kirche. Sein immer wieder durchscheinender Ansatz, dass alltägliche Erlebnisse (Natur, Hoffnung, Begegnungen) oder moralische Entscheidungen als Hinweise auf Gottes Wirken gelten können, dass philosophische Fragen einen Denkraum öffnen können, in dem Glauben plausibel wird, kann durchaus dazu beitragen, jungen Menschen eine Brücke zur Religion zu bauen.
Susanne Elsner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gott indirekt erkennen
Michael Bollmann
Bernardus-Verlag (2023)
269 Seiten
kt.