Das kaputte Knie Gottes
"Es ist schon komisch, da ist man jahrelang Schauspieler oder Nachwuchswissenschaftler oder Kommunist, du triffst dich mit anderen Schauspielern, Nachwuchswissenschaftlern oder Kommunisten und dann mit Ende zwanzig werden die Karten neu gemischt, alle
Gewissheiten sind weg, und auf einmal bist du Mutter, Angestellte oder Sozialfall." Nach der Revolution kommt der Alltag, aber auch der hat es, so wie Degens ihn Mark erleben lässt, in sich. Ein Künstler, ein Lehramtswärter und eine Kommunistin auf den Serpentinen zum eigenen Ich. Er erzählt von bedingungsloser Freundschaft, leichtfertiger Liebe und schweren Entscheidungen die man treffen muss, um sich selbst treu zu bleiben. In beschwingtem Tonfall, feinsinnig und skurril, durchlebt der Leser die Wirren der zwanziger Lebensjahre dreier ganz normaler Ruhrpottbewohner aus der Sicht von Mark. Möglicherweise schockierend in der Beschreibung einer maschinellen Hähnchenschlachtlinie und den Vorgängen in einem Pornokino, in welchen einer der Protagonisten zu Anfang des Buches arbeitet. Empfehlenswert.
Daisy Liebau
rezensiert für den Borromäusverein.
Das kaputte Knie Gottes
Marc Degens
Knaus (2011)
252 S.
fest geb.