Herr Merse bricht auf
Herr Merse ist ein unscheinbarer Mann, Hornist im städtischen Orchester, seit drei Jahren geschieden und seitdem tablettenabhängig. Nun fährt er in die Ferienwohnung seiner Schwester Barbara auf Sylt, um zu sich selber zu finden. Ihn begleiten sein
Horn, Musils "Mann ohne Eigenschaften" und sein imaginärer Freund Johannes (Brahms), mit dem er Selbstgespräche führt. Am Strand begegnet ihm eine wunderschöne Frau, deren Aufmerksamkeit er erregt und plötzlich scheint wieder alles möglich. - Es gibt Bücher, nach denen greift man als Rezensentin nur ungern und weil man muss. Schon der Einband schreckt ab, doch auch die Geschichte überzeugt nicht. Sie gehört zum arg strapazierenden Genre der Befindlichkeitsliteratur und auch wenn Karin Nohr Psychotherapeutin ist, gelingt ihr kein überzeugendes Persönlichkeitsbild eines zutiefst verstörten Mannes. Natürlich sind die bösen Frauen an Herrn Merses schlechter Verfassung Schuld, sie durchdringen in nervenden Einschüben seine Selbstreflexionen. Hinzu kommen endlose Beschreibungen des merseschen Tagwerks, die bestenfalls belanglos genannt werden können. Ein Langweiler!
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Herr Merse bricht auf
Karin Nohr
Knaus (2012)
286 S.
fest geb.