Geheimtipp Mosel
Mit 71 Jahren begab sich Gerhard Schindler, von 2012 bis 2017 Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Juli 2024 erstmals auf eine längere, mehrtägige Wanderung mit seiner in Köln als Journalistin lebenden, inzwischen 38-jährigen Tochter Rebecca.
Die beiden wählten dafür die als Camino (Pilgerweg nach Santiago de Compostela) markierte, 160 km lange, aufgrund etlicher, mitunter steiler Auf- und Abstiege auf die Höhen von Eifel und Hunsrück anspruchsvolle Strecke links und rechts der Mosel von Koblenz bis zur Wallfahrtskirche St. Matthias in Trier. Bei zumeist hochsommerlichem Wetter bewältigten sie diese wie geplant in acht Etappen. In ihrem gemeinsamen Buch berichten die Wandernden abwechselnd von den Tagesetappen, den dabei erlebten Highlights, den Schönheiten dieser alten, vom Weinbau geprägten Kulturlandschaft, aber auch von körperlichen Befindlichkeiten sowie der Neubelebung ihrer Vater-Tochter-Beziehung und der Entdeckung vieler Gemeinsamkeiten. Für Gerhard Schindler, der in Münstermaifeld aufgewachsen ist, wurden dabei zugleich manche Kindheitserinnerungen geweckt. Zwar wurden unterwegs fleißig Pilgerstempel gesammelt, religiös-spirituelle Erfahrungen spielten ansonsten auf dieser Langstreckenwanderung, die von der Tochter zeitnah auch auf den sozialen Medien kommuniziert wurde und die der Lesende durch QR-Codes im Buch nachvollziehen kann, nur eine untergeordnete Rolle. – Ein durchaus lesenswerter Reisebericht. Das Rezensionsexemplar des in einem Selbstverlag verlegten Buches hatte jedoch eine miserable und für Bibliotheken ungeeignete Einbandqualität (zahlreiche lose Seiten beim ersten Lesen).
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Geheimtipp Mosel
Gerhard und Rebecca Schindler
neopubli GmbH (2025)
Erlebnisse - Entdeckungen - Einsichten
244 Seiten : Illustrationen (farbig)
kt.