Mr. Moonbloom
New York in den Sechzigerjahren: Norman Moonbloom ist 33 Jahre alt, wohnt in Manhattan und hat in zahlreichen Semestern mit mehr oder zumeist weniger Erfolg unter anderem Buchhaltung, Kunst, Literatur, Zahn- und Fußheilkunde studiert und steht nun
mit leeren Händen da. Um über die Runden zu kommen, verwaltet er für seinen erfolgreichen Bruder Irwin vier Mietshäuser, die allesamt zusehends verfallen. Regelmäßig und häufig vergeblich versucht Norman, die Miete von den Bewohnern einzutreiben. Die Menschen fristen ein ähnlich verwahrlostes Dasein wie die Häuser. Ein Alkoholiker, zwei Jazzmusiker, ein Homosexueller, ein vom KZ traumatisierter Pole und ein erfolgloser Schriftsteller sind nur einige Beispiele für gescheiterte Lebensentwürfe und zerplatzte Hoffnungen. Da erscheint Norman bei seinen wöchentlichen Mieteintreibungsrunden manchmal wie ein Retter, wenn er mit dem klapprigen Aufzug in die einzelnen Stockwerke hinauffährt. Die Schicksale der einzelnen Mieter dringen mehr und mehr durch den Kokon aus Distanziertheit und Teilnahmslosigkeit, mit dem Norman sich umgibt. Er hört sich geduldig die Klagen über zersprungene Fensterschreiben, verstopfte Abflussrohre, defekte Aufzüge und Heizungen und gescheiterte Lebensentwürfe an, verspürt einen immer größer werdenden Druck und entschließt sich aufgrund seines knappen Budgets, die Mietobjekte selbst zu renovieren. Aufopferungsvoll arbeitet er Tag und Nacht mit dem treuen Hausmeister Gaylord, bis alles in Ordnung ist. Norman Moonbloom tritt in diesem Roman als eine Art Erlösergestalt auf, die mehr und mehr Anteil nimmt und die Mieter vor dem Untergang rettet. Ein melancholischer Roman voller Dramatik und Theatralik, zugleich ein heiteres, leicht ironisches Buch voller Hoffnung auf ein besseres Dasein. Empfehlenswert. (Übers.: Barbara Schaden)
Birgit Fromme
rezensiert für den Borromäusverein.
Mr. Moonbloom
Edward Lewis Wallant
Berlin-Verl. (2012)
317 S.
fest geb.