Gefährliche Nähe
Eigentlich war es ein schönes und freies Leben in der Künstlerkolonie ihrer Eltern in den Siebzigerjahren, doch Cecilia sehnte sich nach Struktur und Regeln. Die fand sie bei James Dahl, dem neuen Englischlehrer an ihrer Schule, verbotenerweise.
Jetzt kehrt sie an den Ort ihrer Kindheit zurück, ins Moor, wo ihre Mutter, schwer krebskrank, immer noch lebt und liebt - eine Frau. Hier erhofft Cecilia sich Erlösung von den Schrecken der Vergangenheit, doch die Geschichte ihres Scheiterns scheint sich bei ihren eigenen Töchtern zu wiederholen. - Es hätte ein interessantes Buch werden können, doch herausgekommen ist nur eine arg romantisierende Familiengeschichte. Die wilde Hippiezeit mit ihren freiheitlichen und antiautoritären Tendenzen gegen alle Konventionen dient leider nur als farbiges Hintergrundgemälde ohne tiefer greifende Bedeutung, die heimlichen und verbotenen Liebesbeziehungen von Mutter und Tochter wirken arg konstruiert. Zudem ergeht Briscoe sich in so vielen Andeutungen, dass die Leserin bald ahnt, woher der Wind weht. Die Spannung bleibt dabei weitestgehend auf der Strecke. Schade! (Übers.: Gaby Wurster)
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Gefährliche Nähe
Joanna Briscoe
Bloomsbury (2012)
494 S.
fest geb.