Visby
Annika wurde Knall auf Fall von ihrem Lebensgefährten verlassen. Sie vermutet, dass er seinem früheren Pflegekind Dhanavati hilft, nach ihrem Vater zu suchen. Die junge Mathematikerin taucht tatsächlich bei Annika auf und versucht herauszufinden,
was wirklich geschah, als sie ihre Mutter auf Gotland von einer Klippe stürzen sah. Dabei führt eine Spur zu einem Waffenhändler in Riga, die - so wird später klar - wiederum Geheimdienste auf den Plan ruft. Der Waffenhändler outet sich als ihr Vater. Dhanavati reist nach Visby, trifft dort mit dem Sicherheitsbeauftragten eines wissenschaftlichen Instituts zusammen, bei dem sie demnächst arbeiten soll. Gemeinsam kommen sie ihrer Kindheit in einer von Indien geprägten Kommune ein Stück näher. Einige Zeit später reist auch Annika dorthin und erkennt die fehlenden Puzzleteile. Vom Lebensgefährten keine Spur. - Retrospektiv ist die Geschichte in sich stimmig und schlüssig. Um sie spannend darzustellen, wählt die Autorin verschiedene Perspektiven, die den Leser lange recht verwirren, da die Beziehungen der Personen zueinander im Dunklen bleiben. Streckenweise gleitet der Roman in das Agententhriller-Genre ab, das so gerne mit den "unbekannten Mächten im Hintergrund" arbeitet. Die Verknüpfung von Annikas Suche mit der von Dhanavati schafft eine gewisse Verwirrung. Insgesamt kreist der Roman ganz um das Thema, mehr über die eigene ungeklärte Herkunft zu erfahren.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Visby
Barbara Slawig
Bloomsbury (2012)
413 S.
fest geb.