Flüchtige Bekannte

Als Anne ihm am Telefon erzählt, dass Maren verschwunden ist, erhofft sich Joachim Stoff für eine Reportage. Eigentlich ist er Filmkritiker, aber ein Zusatzverdienst erscheint ihm verlockend. Er findet heraus, dass Maren seit einem Dreivierteljahr Flüchtige Bekannte nicht mehr aufgetaucht ist, außer einer Geldabhebung in Palermo keine Spur. Auf seine Reportage hin erhält er einen Leserhinweis, er habe sie im Cluburlaub in Tunesien als Tennislehrerin erkannt. Spontan macht sich Joachim auf nach Djerba, um dort selbst zu recherchieren. - Was wie ein Krimi beginnt, entpuppt sich bald als das Psychogramm eines Ich-Erzählers, der seine Umgebung scharf beobachtet und die Rituale anderer genervt kritisiert. Als Leser ertappt man sich dabei, seinen quengeligen Sichtweisen durchaus beizupflichten. Joachim wirft auch immer wieder einen kritischen Blick auf sich selbst, nicht nur beim wiederholten Blick in den Spiegel sondern auch in sein nervöses Inneres. So erhält man Einblick in die Psyche eines Protagonisten, der sich treiben lässt, sich gerne selbst bemitleidet und sich davor drückt, Verantwortung zu übernehmen. - Autor Thomas Weiss (Jg. 1964) debütierte 2004 mit dem Roman "Schmitz", dessen Protagonist auch durch ein schicksalhaftes Ereignis aus der Spur geraten war. - Spannend bis zum Schluss, ist der Roman für Leser, die sich auf einen eigenwilligen Protagonisten einlassen wollen, ein Genuss.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Flüchtige Bekannte

Flüchtige Bekannte

Thomas Weiss
Berlin-Verl. (2014)

189 S.
fest geb.

MedienNr.: 397020
ISBN 978-3-8270-1211-1
9783827012111
ca. 16,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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