Eine Rose für Putin oder die unvollendeten Aufzeichnungen des Johann Stadt
Im "Nachwort" stellt sich der Autor als Herausgeber von hinterlassenen Notizen von Johann Stadt vor. Diese Blätter handeln von dessen Aufenthalt auf einem uckermärkischen Herrenhaus, wo er an einem Drehbuch über einen unerklärlichen Kindestausch
arbeitete. Ausgangspunkt ist dabei ein Ereignis in Dresden zur Wendezeit. Ein Baby verschwand aus einem Kinderwagen; an anderer Stelle wurde ein etwa gleichaltriges Mädchen in seiner Kleidung gefunden. Die Eltern suchen bis heute nach ihrem verschwundenen Kind. Der Drehbuchautor und sein Regisseur verlegen die Geschichte in die Gegenwart. Immer mehr verschwimmt in den Notizen, was erfundene Filmstory ist und was Recherche zu den "realen" Geschehnissen. Im Hintergrund des ganzen Romans wird die Frage transportiert, welchen Einfluss der russische Geheimdienst, insbesondere auch Wladimir Putin, hatte und hat. - Der Autor arbeitet ganz bewusst mit dem Mittel, Dinge nur anzudeuten und Realitätsebenen verschwimmen zu lassen. Glaubt man zu Beginn der Lektüre, er beschreibe einen Rechercheprozess, tauchen immer mehr Zweifel auf, was Drehbuch ist und was sich in der Romanwirklichkeit abspielt. Vollends aus der gesicherten Vorstellung führt dann das "Nachwort". Das macht die Lektüre auf der einen Seite verstörend, auf der anderen übermittelt sie ein Stück weit das Gefühl für die Verunsicherung gegenüber der letzten Phase der DDR.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Eine Rose für Putin oder die unvollendeten Aufzeichnungen des Johann Stadt
hrsg. von Thomas Wendrich
Berlin-Verl. (2015)
317 S.
fest geb.