Schlaraffenland abgebrannt
Die Zeichen rufen zur Zeitenwende, auch für den Moderator und Publizisten Michel Friedman. Für ihn steht die Bundesrepublik Deutschland, das "Schlaraffenland", vor einem dringenden Paradigmenwechsel. Zu lange hätten sich Staat und Gesellschaft auf
eine bloße Mehrung des eigenen Wohlbefindens verabredet, hätten der Welt ein "Bitte-nicht-stören" Schild vor die Tür gehängt. Die sich kumulierenden Krisen wie Migration, Klima, Krieg, politischer Fanatismus oder auch der Anstieg der Armut lassen für den Autor keine Halbheiten mehr zu. Trotz eigener Ängste müssten umgehend radikale Veränderungen für alle eingeleitet werden. Welche das genau sind, bleibt vage. "Von der Angst vor einer neuen Zeit" ist das Werk untertitelt. Immer wieder thematisiert Friedman seine wiederkehrende Lebensfurcht, geht offen mit den dunklen Stimmungen seiner Seele um. Er versucht, damit eine Brücke zum Leser zu schlagen und ihm seine Bangigkeit vor dem Loslassen materieller und ideeller Besitzstände zu nehmen. Das gelingt selten. Die Herleitungen verhallen in Schlagworten, die ganze Stimmung des Werks ist mit der düsteren Aufmachung des Covers treffend eingefangen. Die Vermutung drängt sich auf, dass der Autor die eigene Seelenlage auf seine Umwelt projiziert, einige allgemein zustimmungsfähige Passagen außen vor gelassen. Ein typisches Debatten-Buch, vor allem für Freunde des zugespitzt-appellativen Stils.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schlaraffenland abgebrannt
Michel Friedman
Berlin Verlag (2023)
220 Seiten
fest geb.