Mensch!
Michel Friedman legt hier ein Plädoyer für die Demokratie vor. Seine Sprache ist weder akademisch abgehoben noch populistisch vereinfachend. Seine Verzweiflung, dass Demokratie in Gefahr ist, ist greifbar – manchmal so sehr, dass die Analyse in
den Hintergrund tritt. Wo nüchterne Strukturerklärungen nötig wären, überwiegt manchmal die Dramatik. Für Leser, die nach konkreten Lösungsvorschlägen suchen, bleibt das Werk stellenweise zu vage. Der ständige Appellcharakter nutzt sich zudem ab, wenn er nicht stärker mit neuen Perspektiven oder praktischen Handlungsoptionen unterfüttert wird. Lesen sollte dieses Buch, wer sich politisch und gesellschaftlich herausfordern lassen möchte und bereit ist, sich mit der eigenen Rolle in der Demokratie auseinanderzusetzen. Es inspiriert, irritiert und rüttelt auf. Nicht lesen muss es, wer nüchterne Politikanalyse, empirische Daten oder konkrete politische Maßnahmen erwartet. Wer Pathos schwer erträgt, könnte nämlich schnell genervt sein. "Mensch!" ist kein Ratgeber, sondern ein Spiegel. Wer sich diesem Spiegel stellt, wird sich nicht mehr so leicht in Gleichgültigkeit zurückziehen können. – Ab mittleren Beständen möglich.
Markus John
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mensch!
Michel Friedman
berlin Verlag (2025)
139 Seiten
fest geb.