O Caledonia

Janet wächst in den 40er- und 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts im rauen Norden Schottlands auf. Inmitten von Wäldern und Schluchten liegt das einsame Anwesen der Familie, ein unwirtlicher Ort. Janet ist ein hochbegabtes, sensibles, temperamentvolles O Caledonia und eigensinniges Mädchen. Sie lehnt die an sie gerichteten Erwartungen eines mädchenhaften Verhaltens ab. Weil sie deshalb innerhalb der Familie ständig aneckt, sucht sie Trost in der Natur, der Literatur und den Sprachen. Das Motto der Familie – Moriens sed Invictus (Sterbend, aber unbesiegt) – könnte nicht passender sein für die wilde, mutige Janet. Der Roman beginnt mit einem Paukenschlag: Janet wird tot unter einem Buntglasfenster im elterlichen Schloss gefunden. Nur die gezähmte Dohle trauert um sie, ihre Familie möchte sie so schnell als möglich vergessen. Ein ungewöhnlicher Buchanfang, der aber nicht die Suche nach dem Mörder in den Mittelpunkt stellt, sondern die Lesenden tief in die verletzte Seele einer Heranwachsenden blicken lässt. Janet ringt um die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Familie, gleichzeitig strebt sie früh nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Diese zwei Pole gehen in der damaligen Gesellschaft nicht zusammen und werden zum tragischen Konflikt, der ihr kurzes Leben dominiert. Mich hat dieser erstmals 1991 erschienene Roman, nun nach mehr als 30 Jahren in einer neuen, atmosphärisch genialen Übersetzung vorliegend, durch die unglaubliche Sprachgewalt gefesselt und tief beeindruckt. Allen literarisch Interessierten sehr zu empfehlen.

Silvia Eilers

Silvia Eilers

rezensiert für den Borromäusverein.

O Caledonia

O Caledonia

Elspeth Barker ; Deutsch von Verena von Koskull
Berlin Verlag (2026)

237 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625583
ISBN 978-3-8270-1511-2
9783827015112
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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