Die Geschichte in mir
Rüdiger von Fritsch (Jg. 1953) war in seiner Berufslaufbahn als Diplomat unter anderem in Warschau und Moskau tätig. Zu beiden Ländern hat er familiäre Bezüge, seine Ehefrau stammt aus einer deutschbaltischen Familie. Sein Vater war ein aus Dresden
gebürtiger Jurist, der schon in seiner Studentenzeit 1928 Mitglied der NSDAP wurde und bis zum Lebensende an seinen Überzeugungen festhielt. Als Kinder schnappten Rüdiger von Fritsch und seine Geschwister Bruchstücke aus der Familiengeschichte auf, auf die sie sich keinen rechten Reim machen konnten. Erst unter dem Einfluss des Geschichtsunterrichts in der Schule und während des Studiums begann von Fritsch die Rolle seines Vaters in der deutschen Besatzungsverwaltung in Kaunas (Litauen) ab 1941 zu hinterfragen. Er durchschaute mehr und mehr das Lügengebäude seines Vaters. Der erhaltene Briefwechsel seiner Großmutter mütterlicherseits ist ein einzigartiges Zeugnis für die Wirrnisse der deutschbaltischen Geschichte. – Eine großartig erzählte Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte des 20. Jh. aus dem persönlichen Blickwinkel einer weitverzweigten Familie. Für den breiten Einsatz gerne empfohlen.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Geschichte in mir
Rüdiger von Fritsch
Siedler (2026)
331 Seiten : Illustration, Karte
fest geb.