Die Bücherjägerin
Eine Villa in Köln - eine Fahrt nach Frankreich - von dort weiter nach London - eine Fahrt aufs Land - Rückkehr nach Köln per Flugzeug: die letztlich vergebliche Suche von Sarah und Ben nach dem fehlenden Teil einer alten Karte in weniger als einer
Woche. Die Ich-Erzählerin Sarah, eine Restauratorin alter Bücher und Karten mit autistischen Zügen, nimmt in diesen Tagen bei der Suche Abschied von ihrer verstorbenen Tante Amalia, bei der sie und ihre Schwester Milena nach dem Tod der Eltern aufgewachsen sind, und erlebt den Beginn einer Liebesgeschichte mit dem dunkelhäutigen Bibliothekar Ben von der British Library, die mit der Entdeckung der Fälschung der gesuchten Karte zu Ende zu sein scheint. Soweit ein Erzählstrang, dieser wird aber immer wieder unterbrochen durch die Geschichte der Tante, Erzählungen aus der Kindheit und Jugend von Sarah und Milena, Gedanken, Überlegungen und Erklärungen von Sarah - zu oft und zu lang. Der Einsatz eines Ich-Erzählers ist nie einfach, wenn dieser die eigenen Gefühle, das eigene Äußere und das autistische Verhalten und alle anderen Personen durch ein bestimmtes Merkmal jedes Mal neu mit denselben Worten vorstellt, ergibt die Einseitigkeit der Personenzeichnung einen gewissen Unwillen beim Lesen. Damit der Roman ganz aktuell erscheint, werden neben Hinweisen auf die englische Politik auch die Themen Diskriminierung und Rassismus angesprochen, die Sprache soll gendergerecht sein, dazu gibt es extra eine Fußnote im Nachwort. Manchmal ist weniger mehr. Der Titel des Buches trifft nicht den Kern der Handlung, auch wenn Sarah alte Bücher sucht, um sie zu restaurieren, so ist sie hier auf der Jagd nach einer alten Karte. Die Geschichte lässt sich trotz der Überfrachtung mit aktuellen Themen, die für den Fortgang der Handlung keine Relevanz haben, gut lesen.
Barbara Schürmann-Preußler
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Bücherjägerin
Elisabeth Beer
DuMont (2023)
425 Seiten : Karten
fest geb.