Das Schweigen meiner Freundin
Giulia, die als behütetes Einzelkind in einem ligurischen Dorf aufwächst, ist ein aufgewecktes, lebhaftes Mädchen, eine sehr gute Schülerin und der ganze Stolz ihrer Eltern. Als sie in den Sommerferien die drei Jahre jüngere Cristi kennenlernt,
fühlt sie sich sofort zu diesem rätselhaften Mädchen hingezogen. Cristi ist verwahrlost, kann weder lesen noch schreiben, wird von der alleinerziehenden Mutter vernachlässigt und von anderen Kindern gemieden. Als ein Junge sich in Cristi verliebt, reagiert Giulia eifersüchtig. Das Beziehungsdreieck hat Bestand, auch als die Jugendlichen längst erwachsen sind. Immer wieder taucht Cristi, Giulias große und einzige Liebe, in ihrem Leben auf, um dann für lange Zeit wieder spurlos zu verschwinden. Die Protagonistin ist ein Charakter voller Widersprüche: Einerseits ehrgeizig und fokussiert, auf der anderen Seite impulsiv, unentschlossen und erratisch. Sie sehnt sich nach Nähe und Geborgenheit, hat aber gleichzeitig Bindungsängste und brüskiert die Menschen, die ihr zu nahe kommen. – Einer weiblichen Leserschaft mit Freude an gefühlsbetonter Prosa gerne empfohlen.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Schweigen meiner Freundin
Giulia Baldelli ; aus dem Italienischen von Elisa Harnischmacher
DuMont (2024)
493 Seiten
fest geb.