Die Stadt im Spiegel
Der Protagonist dieses Romans, ein Schriftsteller, lässt seinen Geburtsort L. wiederaufleben, der in den 1970er Jahren einem Staudamm zum Opfer fiel. Hier, im ehemaligen Jugoslawien, hat er seine Kindheit verbracht. In der Rückschau erinnert er sich
an sein ungleiches Elternpaar, den treulosen, trinksüchtigen und verschwenderischen Vater und die liebevolle Mutter, die dennoch bei ihm blieb. Auch die unfruchtbare Tante mit ihrem perversen Ehemann oder die hässliche Tante, die sich nur verschleiert zeigen mochte und der Onkel, der schließlich als Mafioso Karriere machte, sind ihm noch allgegenwärtig. Wehmütig, aber auch mit viel Humor lässt Kovac die Mythen und Legenden der Familien- und Ortsgeschichte seines Protagonisten Revue passieren. Die gelegentlichen Einschübe über seinen Umgang mit dem Material, über das er schreibt, und über das Schreiben selbst, aber auch die Story selbst lassen vermuten, dass es sich dabei um ein autobiografisches "Unterwegssein durch [s]eine eigenen Labyrinthe" (414) handelt. (Übers.: Marica Bodrozic)
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Stadt im Spiegel
Mirko Kovac
DuMont (2011)
493 S.
fest geb.